Nahrungsmittelscreens – IgG4 Tests

Man findet immer wieder Labors oder Ärzte, die sogenannte Nahrungsmittelscreens anbieten. Diese werden mittels einer Blutabnahme durchgeführt und sollen einem zeigen, welche Lebensmittel der Körper verträgt und welche nicht. Man erhält eine Liste mit über 200 Lebensmitteln, die in verschiedene Stufen eingeteilt werden – von gut verträglich bis gar nicht. Dass diese Screens nicht nur unglaublich teuer sind, zwischen €200 und €300, sondern auch rein gar nichts über Unverträglichkeiten gegen Nahrungsmittelbestandteile aussagen, wissen sehr viele nicht. Oft richten sie sogar mehr Schaden an, als dass sie helfen. Ich verrate euch in diesem Artikel warum!

 Was sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten?

Nahrungsmittelunverträglichkeiten werden in verschiedene Stufen geteilt, die nach der Art der Reaktion des Körpers unterschieden werden. Solche Reaktionen können zum Beispiel eine Lebensmittelvergiftung sein, die durch Giftstoffe in den Lebensmitteln verursacht wird. Diese werden als toxische Reaktionen bezeichnet, und wären der denkbar schlimmste Fall. Es gibt aber auch nicht toxische Reaktionen und nicht immunologische Reaktionen. Letztere sind weitaus ungefährlichere Unverträglichkeiten auf Zusatzstoffe in den Nahrungsmitteln. Ebenso wären immunologische Reaktionen denkbar, also eine Antwort des Immunsystems auf bestimmte Substanzen. Zu diesen zählen zum Beispiel eine Glutenunverträglichkeit.

Was sind Nahrungsmittelscreens (IgG4-Tests)?

Fast jedes Lebensmittel kann, wenn es nicht vertragen wird, zu Beschwerden führen. Diese Beschwerden entstehen aufgrund von Antikörpern. Nahrungsmittelscreens auf der Basis von IgG4 sollen helfen Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu bestimmen. Dabei wird nach IgG-Antikörpern gesucht, die sich gegen verschiedene Nahrungsmittel richten und im Körper eine Immunreaktion auslösen können. Dadurch kann man eine Liste an Nahrungsmitteln erstellen, anhand derer man sieht, welche Lebensmittel die Freisetzung von IgG-Antikörpern fördern. Die sogenannten „Nahrungsmittelscreens“ werden alle nach diesem Testverfahren durchgeführt.

Die Liste der Lebensmittel, die man erhält, ist mit verschiedenen Farben unterlegt und sehr einfach zu verstehen. Alle grün gekennzeichneten Lebensmittel kann man ohne Bedenken essen (Lebensmittel mit normalem Toleranzpegel). Gelbe gekennzeichnete (Lebensmittel mit leichtem Intoleranzpergel) sollte man eher weniger oft essen und rot gekennzeichnete (Lebensmittel mit erhöhtem Interolanzpegel) sollte man mehrere Monate bis ganz vom Speiseplan streichen. Viele Labors, bei denen man dieses Tests macht, empfehlen sogar eine bestimmte Wochenanzahl, in denen man Lebensmittel vermeiden sollte, oder auch eine Rotationsdiät, bei der man bestimmte Lebensmittel nur alle 3-4 Tage zu sich nimmt.

Nahrungsmittelscreen

Beispiel eines Nahrungsmittelscreens

Sind Nahrungsmittelscreens (IgG4-Tests) sinnvoll?

Mittlerweile warnen viele Allergologenverbände vor diesen Nahrungsmittelscreens. Denn IgG4-Tests zeigen keine Unverträglichkeiten. Die sogenannten Immunglobuline der Klasse G (daher auch der Name) werden oft in Zusammenhang mit einer längeren Kontaktdauer gebildet. Es wurde zum Beispiel im Blut von Imkern, die aufgrund ihres Berufes häufiger als andere von Bienen gestochen werden, eine erhöhte Menge an IgG4 Antikörpern gegen Bienengift festgestellt. Sie leiden aber dennoch nicht an einer Allergie gegen Bienen.

Darüber hinaus wurde gezeigt, dass trotz positiver Ergebnisse für IgG4 gegen verschiedene Nahrungsmittel, nach dem Verzehr eben dieser Nahrungsmittel keine klinische Beschwerden auftraten.

Aufgrund der neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse stellt die Bildung von IgG4 gegen Nahrungsbestandteile eine natürliche (physiologische) Reaktion dar. Sie deuten daher nicht auf eine Unverträglichkeit hin. Nach wiederholtem Kontakt mit bestimmten Nahrungsmittelbestandteilen reagiert der Körper einfach auf natürliche Weise. IgG4-Antikörper geben also keine Auskunft über krank machendende Vorgänge.

Auch die Österreichische Gesellschaft für Allergologie und Immunologie lehnt IgG bzw. IgG4 Antikörper gegen Nahrungsmittel zur Feststellung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten als ungeeignet ab.

Nahrungsmittelscreens führen daher eher zu Schaden, als dass sie helfen. Mein Leben haben sie komplett auf den Kopf gestellt.

Erfahrung mit Nahrungmittelscreens (IgG4-Tests)

Kurz nachdem ich mein Studium beendet hatte, habe ich auch so einen Test machen lassen. Ich habe ein wenig im Internet gelesen, um Tipps gegen meine vermeintlichen Magenprobleme zu finden. Dabei bin ich zum ersten Mal auf Nahrungsmittelscreens gestoßen. Für mich machten die Infos, die ich dazu gelesen hatte, komplett Sinn. Solche Screens – so glaubte ich – zeigen einem, welche Nahrungsmittel der Körper verträgt und welche nicht. Perfekt, dachte ich. Meine ganzen Beschwerden, wie Appetitlosigkeit, Völlegefühl und Müdigkeit kann ich so einfach wegbekommen. Ich esse einfach nur das, was sich bei dem Test als gut für meinen Körper herausstellt und fertig. Dieser Test hat mich ca. 200€ gekostet.

Doch als ich die komplette Liste nach ein paar Wochen per Post zugeschickt bekam, war ich erstmal geschockt. Milch, Nüsse, Eier waren tiefrot untermalt. Weizenmehl und einige andere Lebensmittel gelb. Die wichtigsten Bestandteile der Nahrungsmittel, die ich zu mir nahm, ja der ganzen Lebensmittelindustrie, sollten also nicht gut für mich sein. Ich war entsetzt und dachte, dass ich verhungern werde.

Was tut man aber nicht alles für seine Gesundheit? Daher begab ich mich auf die Suche nach Alternativen, und siehe da, es gab so einige. Ich verzichtete also komplett auf Milch, Nüsse und Eier, sowie Weizenmehl. Ich war der Meinung, dass es mir dann sofort besser gehen würde und alle meine Beschwerden weggehen würden. Leicht war das nicht. Erstens waren die alternativen Lebensmittel wahnsinnig teuer. Kuchen oder Pizza gab es auch keine. Um mal so was ähnliches wie Kuchen zu kriegen, musste ich schon in ein Reformhaus fahren.

Auch Essengehen erwies sich als eine nicht zu kleine Herausforderung. Wenn ich mit Freunden unterwegs war, habe ich daher meistens schon vorher etwas zu Hause gegessen, mir etwas mitgenommen oder einfach mit knurrendem Magen ausgeharrt. Das war das Schlimmste – zuzusehen wie andere mit vollem Genuss eine leckere Mahlzeit verschlingen, während ich mit leerem Magen daneben sitze und zuschauen muss. Und das Ganze für mehrere Monate. Es kam sogar soweit, dass ich schon gar keine Lust mehr hatte, wohin zugehen, weil es so schwierig mit dem Essen war. Doch ich habe tapfer durchgehalten.

Hat der Nahrungsmittelscreen (IgG4 Test) etwas geholfen?

Nun fragt ihr euch sicher, ob sich das alles etwas gebracht hat. Meiner Meinung nach ein ganz großes fettes Nein! Damit teile ich die Meinung der Allergologenverbände. Ich war anfangs zwar überzeugt, dass es mir besser geht durch die Vermeidung von bestimmten Nahrungsmittelbestandteilen. Doch mal ganz ehrlich: Wenn ihr keine Milch, Eier und Weizenmehl zu euch nehmen sollt, heißt das doch fast alles, das gut schmeckt zu vermeiden. Kein Kuchen, keine Torten, keine Kekse, kein Eis, kein Sandwich, keine Pizza, kein belegtes Brötchen, keine Spaghetti, oder andere Nudelgerichte, kein Burger, kein Hot Dog, kein Schnitzel, kein Kebab, keine Knödel – ich könnte noch ewig so weitermachen, welche Gerichte ich nicht essen sollte. Wenn man mal mit gesundem Menschenverstand nachdenkt, dann erkennt doch jeder, dass wenn man das alles nicht isst, es einem doch automatisch besser gehen muss, oder?

Ich habe wochen- und monatelang nur Gesundes in mich hineingestopft. Zu 95% war das auch noch selber gekocht bzw. von Bioläden oder Reformhäusern. Also alles frei von Gentechnik, Zusatz- und Konservierungsstoffen. Nichts, das mir schwer im Magen liegen könnte, oder schaden würde. Jedem, der sich so ernährt, würde es dadurch besser gehen.

Diskussion mit Fachärzten

Ich möchte noch hinzufügen, dass ich während meiner Suche nach möglichen Ursachen für meine Beschwerden auch bei einer Diskussion mit Fachärzten dabei war. Diese wurde von dem Labor, bei dem ich den Nahrungsmittelscreen habe machen lassen, kostenlos angeboten. Ich dachte mir, dass diese mir weiterhelfen könnten bzw. erklären könnten, warum dieser Test sinnvoll ist oder nicht. Doch auch, wenn die Grafiken noch so schön waren, ich habe keine Antwort gefunden. Im Allgemeinen berichteten die Ärzte, dass es Reaktion des Körpers auf Nahrungsmittel gibt. Doch wie mittlerweile bekannt ist, sind das völlig natürliche Reaktionen.

Das, was mich bei der Diskussion am meisten verwundert hat war folgende Situation: Eine Teilnehmerin erzählte, dass sie zwei Tests machen hat lassen, um zu sehen, ob sich etwas verändert hat. Sie berichtete, dass sie sich strikt daran gehalten hat ein bestimmtes Nahrungsmittel zu meiden, da es auf dem ersten Nahrungsmittelscreen als eines mit erhöhtem Intoleranzpegel eingestuft wurde. Nach dem zweiten Screen jedoch, war es noch immer derselbe erhöhte Intoleranzpegel. Sie fragte also eine der Fachärzte, wie das sein kann. Auf diese Frage gab es keine Antwort und keine Erklärung. Im Gegenteil, die Fachärztin stellte nach langer Pause eine Gegenfrage. Nämlich, ob es ihr denn besser ginge seitdem sie dieses bestimmte Nahrungsmittel weggelassen hat oder nicht. Denn nur das zähle. Sie solle schauen, wie es ihr nach dem Verzehr von bestimmten Lebensmitteln gehe.

Diese Antwort unterlegte nur das, was ich recherchiert hatte. Nämlich dass der Nahrungsmittelscreen rein gar nichts aussagt, als eine natürliche Reaktion des Körpers auf bestimmte Lebensmittel. Die Teilnehmerin, die die Frage stellte, merkte im Übrigen keinen Unterschied, sei es ob sie dieses bestimmte Lebensmittel zu sich nahm oder nicht. Laut denjenigen, die diese Nahrungsmittelscreens so anwerben, müsste es aber einen gravierenden Unterschied machen.

Woher kommen die Beschwerden?

Ich habe sehr viel darüber nachgedacht, woher denn meine Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Völlegefühl und Müdigkeit kommen könnten. Zum einen habe ich noch einen richtigen Allergietest auf Laktoses und Fruktose gemacht. Bei dem ist herausgekommen, dass ich tatsächlich eine leichte Unverträglichkeit gegen Milch habe. Diese habe ich dann weiterhin versucht aus meinem Speiseplan zu streichen. Doch auch nachdem ich das gemacht hatte, hatte ich immer wieder dieselben Beschwerden.

Nun weiß ich, es kommt durch zuviel Stress und zu wenig Bewegung. Ja so einfach ist das. Auch wenn man es nicht wahrhaben will. Ich hatte am Ende meines Studiums, während ich an meiner Diplomarbeit geschrieben habe, viel zu viel Stress und innerlichen Druck. Auch eine längere Beziehung ging zu dieser Zeit zu Ende, was ich auch noch verarbeiten musste. Doch selbst später im Berufsleben kamen immer wieder Phasen wahnsinnigen Stresses. Dieser Stress wirkt sich bei mir auf den Magen aus. Zuerst kommt Appetitlosigkeit zusammen mit Sodbrennen. Danach beginnt es mich total im Magen zu drücken. Wenn es soweit kommt, helfen bei mir Säureblocker. Das sind Tabletten, die die übermäßige Säureproduktion im Magen hemmen und so die Magenschleimhaut schützen. Nach ein paar Tagen hat sich das Ganze dann wieder beruhigt.

 Was mir hilft?

Um Appetitlosigkeit, Magendruck, Völlegefühl und Müdigkeit zu vermeiden, muss ich auch Stress vermeiden. Denn wie oben schon beschrieben, entstehen diese Symptome bei mir durch Stress. Was ich dagegen tue?

Sport
Ich versuche mindestens drei Mal die Woche Sport zu machen. Denn Stress entsteht oft durch angestaute Aggressionen, die der Körper nicht abbauen kann. Um dem Abzuhelfen, mache ich Sport. Dadurch kann ich mich so richtig auspowern und auch versteckte Wut und Angespanntheit, die sich im Laufe des Tages aufgebaut hat, wieder abbauen. Ich mache ein Kombination aus Laufen und Krafttraining. Auch Yoga praktiziere ich in einem Studio in Wien ab und zu. Eben wie es sich ausgeht. Und wenn es nur 30min. Krafttraining zuhause im Wohnzimmer sind (meistens mithilfe von Bauch-Bein-Po Trainingsvideos auf Youtube) oder 30min. draußen Laufen mit meiner Lieblingsmusik. Selbst wenn es noch so anstrengend ist, fühle ich mich nachher einfach immer besser!

Kurzmeditation
Auch Kurzmeditation und autogenes Training hilft mir. Dabei lege ich mich einfach 20-30min. auf die Couch, schließe die Augen und achte nur auf meinen Körper. Da ich das alleine nicht so gut kann, höre ich mir dabei eine Entspannungsübung auf meinem iPod an. Das ist wie eine kleine Kurzmedidation, und wenn man dabei einschläft macht es auch nichts, da das Unterbewusstsein noch immer zuhört. Wichtig dabei ist nur, dass einem in dieser Zeit keiner stört. Also einfach mal die Tür abschließen und die anderen bitten, einen in den nächsten 30min. nicht zu stören. Bisher hat das jeder aus meinem Umfeld ohne Weiteres respektiert.

Kurze Entspannungsübungen
Was mir zudem noch hilft, sind kleine Entspannungsübungen für zwischendurch, die man machen kann, ohne dass es jemand merkt. Einige davon habe ich mir mithilfe einer ausgebildeten Entspannungstrainerin angeeignet. Diese kann mit verschiednen Techniken den Stresslevel individuell messen und sieht sofort am Computer welche Techniken wie gut helfen. Dies sind zum Beispiel einfache Atemübungen, die bei mir aber die größte Wirkung haben. Auch progressive Muskelentspannung gehört dazu, sowie Augenübungen und verschiedene Lockerungsübungen. Diese Übungen versuche ich zwischendurch in meinen Alltag zu integrieren. Oft merke ich in einer Situation nämlich nicht, wenn mir etwas zu viel ist. Ich ziehe dann einfach mein Ding durch und mach die Arbeit oder Ähnliches fertig, egal wie lange es dauert. Erst im Nachhinein, wenn ich zuhause bin oder am nächsten Tag, wird mir klar wie anstrengend und stressig der Arbeitstag eigentlich war. Daher versuche ich sooft es geht Entspannungsübungen einzubauen. Viele gute Übungen, mit denen ich arbeite findet man in dem Buch Blitzschnell entspannt. Dort sind einfache Anleitungen zu kurzen Entspannungsübungen für zwischendurch beschrieben, und wie man Stress erst gar nicht aufkommen lasst.

Aufschreiben
Außerdem führe ich auch ein kleines Buch über meinen Magen. Dort schreibe ich hinein, wann ich Magentabletten nehme und führe auch an, wie es mir in den Tagen zuvor ergangen ist bzw. was ich gegessen habe. Das hat mir unglaublich geholfen. Denn dadurch ist mir erst richtig bewusst geworden, dass jedes Mal, wenn ich Magentabletten brauche, ich die Tage zuvor unglaublich viel Stress durchgemacht habe. Das hat mir gezeigt, dass ich es erst gar nicht soweit kommen lassen muss Magentabletten zu nehmen. Denn mein Magenproblem liegt nicht im Magen, sondern am Stress.

Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen weiterhelfen. Schaut auf euren Körper und hört auf ihn, was er euch sagen will! Denn die meiste Zeit verbringt ihr mit euch selber 😉

 

Weitere Informationen zu dem Thema

http://www.nahrungsmittel-intoleranz.com/allgemeines-2/news-rund-um-intoleranzen/1108-sinn-und-unsinn-von-igg-4-tests-fuer-nahrungsmittelunvertaeglichkeiten.html

http://www.gesundheits-lexikon.com/Labormedizin-Labordiagnostik/Allergien-Pseudoallergien-Nahrungsmittelunvertraeglich-keiten/IgG-IgG4-Test.html

http://www.oegai.org/html/docs/Leitliinie_IgG_Satz.pdf